Gesundheit & Wohlbefinden
Schonkost für Hunde bei Durchfall: Anleitung
Bei akutem, unkompliziertem Durchfall füttern Sie Ihrem erwachsenen Hund einige Tage lang Schonkost: gekochtes Hühnchen ohne Haut, Knochen und Salz mit weich gekochtem Reis, in mehreren kleinen Portionen über den Tag, dazu jederzeit frisches Wasser.
Der Flüssigkeitsverlust ist das eigentliche Risiko, nicht der weiche Kot. Bei blutigem Kot, Erbrechen, Apathie, Fieber, hartem Bauch oder Durchfall über 48 Stunden gehört Ihr Hund in die Praxis, ebenso jeder Welpe mit Durchfall.
Kurzurteil
Leicht verdauliches Futter in kleinen Portionen, viel Wasser, klare Abbruchkriterien
Dafür spricht
- Schonkost ist sinnvoll bei: akutem, mildem Durchfall eines sonst munteren erwachsenen Hundes
- Schonkost ist sinnvoll bei: weichem Kot nach einem Futterwechsel oder nach Stress
- Schonkost ist sinnvoll bei: einem einmaligen Diätfehler, etwa gefundenem Futter unterwegs
- Schonkost ist sinnvoll bei: dem Wiederaufbau nach einer tierärztlich behandelten Magen-Darm-Erkrankung, nach Absprache
Das schränkt ein
- Nicht selbst behandeln bei: blutigem, schwarzem oder teerartigem Kot
- Nicht selbst behandeln bei: wiederholtem Erbrechen, Apathie, Fieber oder aufgeblähtem, schmerzhaftem Bauch
- Nicht selbst behandeln bei: Verdacht auf Fremdkörper oder Vergiftung
- Nicht selbst behandeln bei: Welpen, Senioren, sehr kleinen Rassen und chronisch kranken Hunden
Für wen: Für den erwachsenen, ansonsten gesunden Hund mit kurzem Durchfall ist Schonkost der richtige erste Schritt; für Welpen, Senioren, Miniaturrassen und Hunde mit Vorerkrankungen ist der Anruf in der Tierarztpraxis der richtige erste Schritt.
Aktualisiert am 31.08.2026 · 8 Min. Lesezeit
Was Schonkost leistet und was sie nicht leistet
Schonkost ist ein leicht verdauliches, fettarmes und reizarmes Futter aus wenigen Zutaten. Sie entlastet den Verdauungstrakt, weil sie kaum Fett, wenig Bindegewebe und keine schwer aufschließbaren Bestandteile enthält, und sie liefert gleichzeitig Energie und leicht verwertbares Eiweiß. Damit kauft sie dem gereizten Darm Zeit, sich zu erholen.
Was Schonkost nicht ist: eine Behandlung. Sie beseitigt weder eine Infektion noch Parasiten, sie löst keinen Fremdkörper und sie gleicht keinen Flüssigkeitsverlust aus. Und sie ist kein Dauerfutter. Hühnchen mit Reis deckt über Wochen gefüttert den Bedarf an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen nicht ab, weil es kein Alleinfuttermittel ist. Nach wenigen Tagen gehört Ihr Hund entweder zurück an sein gewohntes Futter oder in die Praxis.
Die Nahrungspause: für wen sie passt und für wen nicht
Eine kurze Nahrungspause von etwa zwölf bis vierundzwanzig Stunden kann bei einem erwachsenen, gesunden Hund mit akutem Durchfall sinnvoll sein. Sie unterbricht die ständige Belastung des Darms und lässt die Bewegung im Verdauungstrakt zur Ruhe kommen. Wasser wird in dieser Zeit nie entzogen, im Gegenteil: Es muss durchgehend frei verfügbar sein.
Für andere Hunde ist eine Nahrungspause ausdrücklich nicht geeignet. Welpen, sehr kleine und zwergwüchsige Rassen, Senioren, sehr magere Hunde, trächtige oder säugende Hündinnen und Hunde mit Vorerkrankungen, insbesondere mit Diabetes oder Lebererkrankungen, dürfen nicht fasten. Ihre Energiereserven sind zu klein, und eine Unterzuckerung kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Welpen brauchen ohnehin eine engmaschige, energiedichte Versorgung, wie sie der Vergleich von Welpenfutter beschreibt. Bei diesen Hunden gilt: kein Fasten, sondern früh anrufen.
Das Grundrezept: Hühnchen und Reis richtig zubereiten
Die klassische Zusammenstellung besteht aus zwei Komponenten, einer Eiweißquelle und einem Kohlenhydratträger:
- Hühnchen: Brustfleisch in Wasser gar gekocht. Ohne Haut, ohne Knochen, ohne Salz und ohne jedes Gewürz. Zwiebeln und Knoblauch haben im Kochwasser nichts zu suchen, sie sind für Hunde giftig. Das Fleisch anschließend zerkleinern oder zupfen.
- Reis: weißer Reis, deutlich weicher gekocht als für den menschlichen Teller und mit reichlich Wasser. Vollkornreis ist hier ungeeignet, weil der Faseranteil den gereizten Darm zusätzlich belastet.
Als Verhältnis hat sich ein deutlicher Überhang der Kohlenhydratkomponente eingebürgert, also spürbar mehr Reis als Fleisch. Beides wird lauwarm verfüttert, nicht heiß und nicht kühlschrankkalt. Das Kochwasser des Reises können Sie mit angeben, es liefert zusätzliche Flüssigkeit. Wie viel Ihr Hund insgesamt braucht, richtet sich nach seinem Gewicht: Die Berechnung der täglichen Futtermenge gibt Ihnen die Größenordnung, von der Sie während der Schonkost eher etwas nach unten abweichen.
Alternativen zum Reis: Kartoffel und Karotte
Nicht jeder Hund verträgt Reis gleich gut, und nicht jeder frisst ihn. Als Ersatz für die Kohlenhydratkomponente eignen sich gekochte, gut zerdrückte Kartoffeln ohne Schale, ohne grüne Stellen und ohne Keime, sowie weich gekochte Karotte. Auch mageres, gekochtes Putenfleisch oder gekochter Magerquark werden als Eiweißkomponente eingesetzt, Letzterer allerdings nur bei Hunden, die Milchprodukte vertragen.
Eine eigene Rolle spielt die gekochte, pürierte Karotte in der Zubereitung nach Moro. Traditionell werden Karotten sehr lange gekocht, anschließend fein püriert und mit Wasser wieder auf die ursprüngliche Flüssigkeitsmenge aufgefüllt. Das lange Kochen ist dabei der entscheidende Schritt, nicht die Karotte an sich. Die klassische Rezeptur enthält zusätzlich eine kleine Menge Salz; ob und wie viel davon für Ihren Hund sinnvoll ist, klären Sie in der Tierarztpraxis ab, besonders bei Hunden mit Herz- oder Nierenerkrankungen. Verfüttert wird die Zubereitung wie die übrige Schonkost, also in kleinen Portionen über den Tag verteilt.
Fütterung im Tagesablauf: kleine Portionen, viel Wasser
Verteilen Sie die Tagesration auf vier bis sechs kleine Mahlzeiten statt auf die gewohnten zwei großen. Kleine Portionen überfordern den Darm nicht und reduzieren das Risiko, dass alles sofort wieder herauskommt. Beginnen Sie nach einer Nahrungspause mit einer sehr kleinen Menge und steigern Sie erst, wenn diese drin bleibt.
Das eigentliche Risiko bei Durchfall ist der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, nicht die Kotkonsistenz. Wasser muss deshalb ständig verfügbar sein, und Sie sollten aktiv beobachten, ob Ihr Hund trinkt. Trinkt er nicht, wirkt er matt, sind die Schleimhäute trocken oder bleibt eine angehobene Hautfalte im Nacken stehen, ist das ein Grund für einen Anruf in der Praxis und nicht für weiteres Abwarten. Elektrolytlösungen geben Sie nur nach tierärztlicher Anweisung, nicht auf Verdacht. Beobachten Sie außerdem die Kotqualität schriftlich oder per Foto: Häufigkeit, Farbe, Beimengungen. Diese Angaben sind in der Praxis mehr wert, als Sie vermuten.
Zurück zum gewohnten Futter: schrittweise über mehrere Tage
Sobald der Kot wieder geformt ist und Ihr Hund normal frisst, führen Sie ihn schrittweise zurück, nicht von einem Tag auf den anderen. Bewährt hat sich, über mehrere Tage hinweg jeden Tag einen größeren Anteil des gewohnten Futters unter die Schonkost zu mischen, bis am Ende wieder die normale Ration steht. Ein abrupter Wechsel zurück ist einer der häufigsten Gründe dafür, dass der Durchfall am dritten Tag zurückkommt und die Halterin oder der Halter das Futter zu Unrecht verdächtigt.
Wenn Sie ohnehin über einen Wechsel nachdenken, ist die Phase direkt nach einem Durchfall der falsche Zeitpunkt dafür. Warten Sie ein bis zwei Wochen stabilen Kot ab und stellen Sie dann geplant um. Ob dabei Nassfutter oder Trockenfutter die bessere Wahl ist, hängt von Ihrem Hund ab; der Vergleich von Nassfutter und Trockenfutter ordnet die Unterschiede in Wassergehalt und Verträglichkeit ein.
Wenn der Durchfall immer wiederkommt
Einmaliger Durchfall nach einem Diätfehler ist Alltag. Kehrt der Durchfall dagegen regelmäßig zurück, wechselt die Kotkonsistenz dauerhaft, kommen Blähungen, Juckreiz, wiederkehrende Ohrenentzündungen oder schlechtes Fell dazu, dann ist die Schonkost nur noch eine Pause und keine Lösung. Dahinter kann eine Futtermittelunverträglichkeit stecken, seltener auch eine Allergie.
Klarheit bringt in solchen Fällen keine Sorte, die als sensitiv beworben wird, sondern eine sauber durchgezogene Ausschlussdiät mit einer für den Hund neuen Eiweißquelle über mehrere Wochen ohne jede Abweichung. Wie das im Alltag funktioniert und woran es meistens scheitert, beschreibt der Ratgeber zur Futtermittelallergie und Ausschlussdiät. Ergänzend wird bei leichten, kurzen Episoden traditionell auch Heilerde für Hunde eingesetzt; beachten Sie dort den zeitlichen Abstand zu Medikamenten, weil Heilerde unspezifisch bindet.
Wann Sie abbrechen und in die Tierarztpraxis müssen
Diese Seite berät, sie behandelt nicht, und Schonkost hat klare Grenzen. Brechen Sie die Selbstversorgung sofort ab und lassen Sie Ihren Hund untersuchen, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Blutiger, schwarzer oder teerartiger Kot.
- Wiederholtes Erbrechen, besonders wenn auch Wasser nicht bei sich behalten wird.
- Apathie, Schwäche, Zittern, blasse Schleimhäute.
- Fieber oder ein aufgeblähter, harter oder beim Anfassen schmerzhafter Bauch.
- Unproduktives Würgen ohne Erbrechen, vor allem bei großen Hunden.
- Verdacht auf einen verschluckten Fremdkörper oder auf eine Vergiftung.
- Durchfall, der länger als 48 Stunden anhält oder rasch heftiger wird.
- Jeder Durchfall bei einem Welpen, bei einer sehr kleinen Rasse, bei einem Senior oder bei einem chronisch kranken Hund.
Rufen Sie vor der Fahrt in der Praxis an und schildern Sie kurz: seit wann, wie oft, wie sieht der Kot aus, hat der Hund erbrochen, was hat er zuletzt gefressen, welche Medikamente bekommt er. Nehmen Sie, wenn möglich, eine frische Kotprobe mit. Eine Diagnose stellt die Tierärztin oder der Tierarzt, und Medikamente einschließlich der Dosierung gehören ausschließlich dorthin.
Häufige Fragen
Wie lange soll ein Hund mit Durchfall Schonkost bekommen?
Üblich sind zwei bis drei Tage, bis der Kot wieder geformt ist. Danach wird das gewohnte Futter über mehrere Tage schrittweise untergemischt. Dauert der Durchfall trotz Schonkost länger als 48 Stunden an, gehört Ihr Hund in die Tierarztpraxis.
Wie viel Hühnchen und Reis braucht mein Hund?
Die Tagesmenge orientiert sich am Gewicht Ihres Hundes und liegt während der Schonkost eher etwas unter der normalen Ration. Üblich ist ein deutlicher Überhang der Reiskomponente gegenüber dem Fleisch. Wichtiger als das Gramm ist die Aufteilung: vier bis sechs kleine Portionen über den Tag statt zwei großer Mahlzeiten.
Darf mein Hund bei Durchfall fasten?
Eine Nahrungspause von zwölf bis vierundzwanzig Stunden kann bei einem erwachsenen, gesunden Hund sinnvoll sein, Wasser bleibt dabei immer verfügbar. Welpen, sehr kleine Rassen, Senioren, sehr magere Hunde und Hunde mit Vorerkrankungen dürfen nicht fasten, weil eine Unterzuckerung droht. Klären Sie in diesen Fällen zuerst mit der Tierarztpraxis ab.
Ist die Karottensuppe nach Moro sinnvoll?
Die lange gekochte, pürierte Karotte ist eine traditionelle Zubereitung bei Durchfall und wird als milde Kohlenhydratkomponente eingesetzt. Entscheidend ist die lange Kochzeit, nicht die rohe Karotte. Die klassische Rezeptur enthält etwas Salz, was Sie bei Hunden mit Herz- oder Nierenerkrankungen vorher in der Praxis abklären sollten.
Welchen Reis soll ich für die Schonkost nehmen?
Weißer Reis, sehr weich und mit reichlich Wasser gekocht. Vollkornreis ist ungeeignet, weil sein hoher Faseranteil den gereizten Darm zusätzlich belastet. Als Alternative eignen sich gekochte Kartoffeln ohne Schale und ohne grüne Stellen oder weich gekochte Karotte.
Wann ist Durchfall beim Hund ein Notfall?
Blutiger oder schwarzer Kot, wiederholtes Erbrechen, Apathie, Fieber, ein harter oder schmerzhafter Bauch, unproduktives Würgen sowie der Verdacht auf Vergiftung oder Fremdkörper sind Gründe, sofort in die Praxis oder Klinik zu fahren. Rufen Sie vorher an. Auch anhaltender Durchfall über 48 Stunden und jeder Durchfall beim Welpen gehören abgeklärt.
Warum kommt der Durchfall nach der Schonkost zurück?
Häufigster Grund ist der zu abrupte Wechsel zurück auf das gewohnte Futter. Führen Sie das alte Futter über mehrere Tage in steigenden Anteilen wieder ein. Kehrt der Durchfall trotzdem regelmäßig wieder, kann eine Futtermittelunverträglichkeit dahinterstecken, die über eine Ausschlussdiät abgeklärt wird.