Ernährung & Fütterung
Kaltgepresstes Hundefutter: Vorteile, Nachteile und gute Sorten
Kaltgepresstes Hundefutter ist Trockenfutter, das nicht extrudiert, sondern aus vorgegarten, getrockneten und gemahlenen Zutaten bei rund 60 bis 80 °C zu Pellets gepresst wird. Extrudiertes Trockenfutter wird dagegen deutlich über 100 °C erhitzt.
Die Pellets quellen im Magen kaum auf und zerfallen schneller, sind aber kürzer haltbar und für manche Hunde anfangs schwerer verträglich. Besser als gutes extrudiertes Futter ist es nicht automatisch: Entscheidend bleiben Deklaration, Alleinfutter-Status und wie gut dein Hund es verträgt.
Kurzurteil
Kaltgepresstes Hundefutter ist eine gute Alternative für Hunde, die extrudiertes Trockenfutter schlecht vertragen, aber kein Muss für jeden Hund.
Dafür spricht
- Schonendere Verarbeitung, Kräuter und Öle bleiben eher erhalten
- Quillt im Magen kaum auf, die Pellets zerfallen
- Oft offene Deklaration und wenige Zusatzstoffe
- Feste Pellets regen zum Kauen an
Das schränkt ein
- Kürzer haltbar als extrudiertes Trockenfutter
- Umstellung kann anfangs Blähungen oder mehr Kot bringen
- Pellets sind hart, für kleine Hunde oder schlechte Zähne einweichen
- Meist teurer als einfaches Trockenfutter
Für wen: Für Hunde, die extrudiertes Trockenfutter schlecht vertragen oder Trockenfutter hastig schlingen. Bei Verdauungskrankheiten oder Allergien stimmst du die Futterwahl mit der Tierarztpraxis ab.
Aktualisiert am 20.10.2026 · 8 Min. Lesezeit
Was ist kaltgepresstes Hundefutter?
Kaltgepresst beschreibt das Herstellungsverfahren, nicht die Zusammensetzung. Die Zutaten werden zuerst vorbehandelt, getrocknet und gemahlen und danach unter hohem Druck zu festen Pellets gepresst. Ganz kalt ist das nicht: Durch Druck und Reibung erwärmt sich die Masse, je nach Hersteller auf maximal etwa 60 bis 80 °C. Herkömmliches Trockenfutter wird dagegen extrudiert und dabei deutlich stärker erhitzt.
Kaltgepresstes Trockenfutter ist meist ein Alleinfuttermittel wie jedes andere Hundetrockenfutter. Es gibt Rezepturen mit Fleisch, Geflügel, Fisch oder Insektenprotein, mit und ohne Getreide, für Welpen, ausgewachsene und ältere Hunde.
Wie wird kaltgepresstes Trockenfutter hergestellt?
Vorbereitung der Zutaten
Fleisch für Tierfutter muss nach EU-Recht vorab erhitzt werden, um Keime abzutöten. Hersteller wie Alpenwuff verweisen dabei auf die EU-Verordnung Nr. 142/2011 und eine Erhitzung auf mindestens 80 °C. Kohlenhydratquellen wie Getreide oder Kartoffeln werden vorgegart, damit der Hund die Stärke verwerten kann.
Trocknung und Mahlen
Alle Rohstoffe werden getrocknet und zu einem feinen Mehl gemahlen. Gemüse, Obst und Kräuter kommen je nach Rezeptur dazu.
Kaltpressung und Temperatur
Die Mischung wird mit etwas Wasser oder Öl befeuchtet und durch eine Matrize gepresst. Der Druck formt feste Pellets, die Temperatur bleibt dabei unter 80 °C, viele Hersteller nennen maximal 60 °C. Wasserdampf und eine zweite starke Erhitzung wie beim Extrudieren fallen weg.
Kaltgepresstes Hundefutter vs. extrudiertes Trockenfutter
Beim Extrudieren wird ein Teig aus allen Zutaten mit Wasserdampf erhitzt und durch Düsen gepresst. Dabei dehnt er sich aus und erhält Luftkammern, so entstehen die typischen lockeren Kroketten. Hitzeempfindliche Fette, Vitamine und Zusatzstoffe werden danach außen aufgesprüht. Die Temperaturangaben der Hersteller reichen von rund 120 bis 200 °C.
| Kaltgepresst | Extrudiert | |
|---|---|---|
| Temperatur beim Formen | etwa 60 bis 80 °C | deutlich über 100 °C |
| Struktur | dicht, fest, ohne Luftkammern | locker, mit Luftkammern |
| Verhalten im Magen | zerfällt, quillt kaum | quillt auf, laut Herstellern etwa auf das Doppelte |
| Vitamine und Öle | meist in der Rezeptur mitverarbeitet | oft nachträglich aufgesprüht |
| Verdaulichkeit | für viele Hunde gut, Umstellung nötig | Stärke stärker aufgeschlossen, für viele Hunde gut verträglich |
| Haltbarkeit | meist 3 bis 6 Monate | oft bis zu 18 Monate |
| Preis | meist höher | große Spanne, auch sehr günstig |
Unterschiede in der Nährstoffqualität hängen stärker von Rezeptur und Rohstoffen ab als vom Verfahren allein. Ein gutes extrudiertes Alleinfutter ist einem schlechten kaltgepressten Futter vorzuziehen. Worauf du bei jedem Futter achten solltest, zeigt unser Ratgeber Das beste Hundefutter im Vergleich.
Vorteile und Nachteile von kaltgepresstem Hundefutter
Vorteile
- Schonende Verarbeitung: Sekundäre Pflanzenstoffe aus Kräutern und Beeren sowie kaltgepresste Öle sollen besser erhalten bleiben. Das Verfahren lohnt sich vor allem bei Rezepturen mit solchen Zutaten.
- Quillt nicht auf: Die Pellets zerfallen im Magen statt aufzuquellen, ein voller Futterbauch nach der Mahlzeit ist dadurch seltener.
- Kauen: Die festen Pellets regen zum Kauen an.
- Wenige Zusatzstoffe: Viele Hersteller verzichten auf künstliche Farbstoffe und Konservierungsstoffe und deklarieren offen.
- Geschmack und Aroma: Die Zutaten sollen ihren Eigengeschmack besser behalten. Wählerische Hunde nehmen das Futter oft gut an, eine Garantie ist das nicht.
Nachteile
- Kürzere Haltbarkeit: Ohne künstliche Konservierung hält das Futter meist nur wenige Monate.
- Umstellung: In den ersten Tagen können Blähungen, Durchfall oder mehr Kot auftreten, manche Hunde brauchen länger zur Anpassung.
- Mehr Durst: Beim Wechsel von extrudiertem Futter trinken viele Hunde anfangs mehr. Frisches Wasser muss immer bereitstehen.
- Harte Pellets: Für sehr kleine Hunde oder Hunde mit Zahnproblemen weichst du das Futter am besten in Wasser ein.
- Verdaulichkeit: Pflanzliche Bestandteile sind beim Extrudieren stärker aufgeschlossen. Für manche Hunde ist extrudiertes Futter deshalb bekömmlicher.
- Preis: Kaltgepresstes Futter kostet meist mehr als einfaches Trockenfutter.
Für welche Hunde eignet sich kaltgepresstes Futter?
- Hunde mit empfindlicher Verdauung, die auf extrudiertes Trockenfutter mit Blähungen oder einem aufgetriebenen Bauch reagieren. Bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts klärst du den Wechsel vorher mit der Tierarztpraxis.
- Große, tiefbrüstige Rassen: Hersteller empfehlen kaltgepresstes Futter häufig für große Hunde, weil es im Magen nicht aufquillt. Dass es das Risiko einer Magendrehung senkt, ist allerdings wissenschaftlich nicht belegt. Was nachweislich hilft, steht im Ratgeber Erhöhter Napf und Magendrehung.
- Schlinger, die extrudierte Kroketten unzerkaut herunterschlucken.
- Ältere Hunde, wenn sie das Futter vertragen und kauen können, sonst eingeweicht.
- Barfer, die eine Trockenfutter-Alternative für Reisen oder als gelegentliche Ergänzung suchen. Mehr zur Rohfütterung findest du bei BARF für Anfänger.
Für Welpen eignet sich kaltgepresstes Futter nur, wenn es ausdrücklich als Welpen- oder Junior-Futter deklariert ist. Mehr dazu im Ratgeber Bestes Welpenfutter.
Kaltgepresstes Hundefutter: Marken und Sorten im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt verbreitete kaltgepresste Trockenfutter. Sie ist keine Rangliste, wir haben die Sorten nicht selbst im Labor geprüft. Die Preise stammen aus dem Online-Handel, Stand 10/2026 und ohne Gewähr.
| Marke | Beispielsorten | Packung und Preis (Stand 10/2026) |
|---|---|---|
| Markus-Mühle | NaturNahfutter, NaturNahfutter Mini, Black Angus Junior, Adult und Senior, Rotwild Hirsch, Weidelamm | NaturNahfutter 15 kg rund 43 Euro, etwa 2,90 Euro pro Kilo |
| Bellfor | Landschmaus, Wiesen-Schmaus mit Huhn (auch als Junior), Naturgut-Schmaus mit Insekten, Forstbach-Schmaus mit Lachs und Forelle | 4 und 10 kg, Preise beim Hersteller |
| Lukullus | Rind und Gans, Barbarie-Ente und Lamm, Lachs und Wildschwein | 10 kg rund 40 Euro, etwa 4 Euro pro Kilo |
| LUPO Sensitiv | 20/8 und 24/10 | 15 kg rund 45 Euro, etwa 3 Euro pro Kilo |
| Purizon | Huhn mit Rapsöl, Pute mit Hanföl, Mini Schweizer Poulet | 1 kg rund 7 Euro |
Markus-Mühle aus dem Westerwald presst laut zooplus seit über 50 Jahren ausschließlich kalt und ist eine der bekanntesten Marken. Du findest das Markus-Mühle NaturNahfutter bei Amazon. Bellfor bietet mehrere getreidefreie Rezepturen und eine Sorte mit Insektenprotein für Hunde, die auf gängige Fleischsorten reagieren: Bellfor kaltgepresst ansehen. Einen Überblick über weitere Anbieter bekommst du über die Suche nach kaltgepresstem Hundefutter.
Kaufberatung: So findest du ein gutes kaltgepresstes Trockenfutter
- Alleinfuttermittel: Nur dann deckt das Futter allein den Bedarf deines Hundes.
- Offene Deklaration: Jede Zutat mit Prozentangabe, die Proteinquelle an erster Stelle und mit Fleischanteil beziffert.
- Analytische Bestandteile: Vergleiche Rohprotein und Rohfett pro 100 g mit dem Bedarf deines Hundes. Kaltgepresste Futter haben oft einen etwas höheren Rohfasergehalt.
- Fettquellen: Benannte Öle wie Lachs-, Raps- oder Leinöl sind besser als ein allgemeines pflanzliches Öl.
- Frische: Achte auf das Mindesthaltbarkeitsdatum und kaufe Packungsgrößen, die du in vier bis sechs Wochen verfütterst.
- Preis pro Kilo: Großgebinde sind günstiger, lohnen sich wegen der kurzen Haltbarkeit aber nur bei großen Hunden.
- Probierpaket: Viele Hersteller bieten kleine Packungen an. So testest du, ob dein Hund das Futter mag und verträgt, bevor du 15 kg kaufst.
Umstellung auf kaltgepresstes Hundefutter
Stelle über mindestens sieben bis zehn Tage um, bei empfindlichen Hunden auch länger:
- Tag 1 bis 3: etwa ein Viertel neues Futter, drei Viertel altes Futter
- Tag 4 bis 6: halb und halb
- Tag 7 bis 9: drei Viertel neues Futter
- ab Tag 10: nur noch das neue Futter
Beobachte täglich Kot, Appetit und Wohlbefinden. Wird der Kot weich oder bekommt dein Hund Durchfall, gehst du einen Schritt zurück. Stelle immer frisches Wasser bereit. Weil kaltgepresstes Futter dichter ist, unterscheidet sich die Tagesmenge oft vom bisherigen Futter. Halte dich an die Fütterungsempfehlung auf der Packung und kontrolliere das Gewicht, etwa mit unserem Ratgeber Futtermenge berechnen.
Lagerung und Haltbarkeit
Kaltgepresstes Futter hält meist drei bis sechs Monate ab Herstellung. Lagere es kühl, trocken und dunkel, am besten im Originalbeutel in einer luftdichten Tonne. Eingeweichtes Futter verfütterst du sofort und entsorgst Reste nach der Mahlzeit, denn feuchtes Futter verdirbt bei Zimmertemperatur schnell. Wer zwischen Trocken- und Nassfutter schwankt, findet die Unterschiede im Vergleich Nassfutter oder Trockenfutter.
Fazit: Für wen sich kaltgepresstes Hundefutter lohnt
Kaltgepresstes Hundefutter ist eine schonend hergestellte Alternative zu extrudiertem Trockenfutter. Es quillt kaum auf und lohnt sich vor allem für Hunde, die herkömmliche Kroketten schlecht vertragen oder hastig schlingen. Dafür ist es kürzer haltbar, teurer und braucht eine sorgfältige Umstellung. Achte wie bei jedem Hundefutter auf ein Alleinfuttermittel mit offener Deklaration und starte am besten mit einer kleinen Packung.
Häufige Fragen
Ist kaltgepresstes Hundefutter besser als extrudiertes?
Nicht grundsätzlich. Die schonendere Verarbeitung ist ein Vorteil für hitzeempfindliche Zutaten wie Kräuter und Öle, extrudiertes Futter ist dafür oft besser aufgeschlossen und länger haltbar. Ein gutes Alleinfutter mit offener Deklaration ist wichtiger als das Herstellungsverfahren.
Quillt kaltgepresstes Hundefutter im Magen auf?
Kaum. Die Pellets enthalten keine Luftkammern wie extrudierte Kroketten und zerfallen bei Kontakt mit Flüssigkeit. Extrudiertes Futter quillt dagegen auf, laut Herstellern etwa auf das Doppelte.
Schützt kaltgepresstes Futter vor Magendrehung?
Das ist nicht belegt. Einige Hersteller und Tierärzte vermuten ein geringeres Risiko, weil das Futter nicht aufquillt, wissenschaftliche Belege fehlen aber. Wichtiger sind mehrere kleine Mahlzeiten und Ruhe nach dem Fressen.
Eignet sich kaltgepresstes Hundefutter für Welpen?
Ja, wenn es ausdrücklich als Alleinfutter für Welpen oder Junghunde deklariert ist. Einige Hersteller bieten eigene Junior-Sorten an. Normales kaltgepresstes Adult-Futter deckt den Bedarf im Wachstum nicht.
Wie lange hält kaltgepresstes Hundefutter?
Meist drei bis sechs Monate ab Herstellung, also deutlich kürzer als extrudiertes Trockenfutter. Kaufe deshalb nur so viel, wie dein Hund in einigen Wochen frisst, und lagere es kühl, trocken und luftdicht.
Kann ich kaltgepresstes und extrudiertes Futter mischen?
Das ist möglich. Weil sich beide Futterarten unterschiedlich im Magen verhalten, vertragen manche Hunde getrennte Mahlzeiten besser. Reagiert dein Hund mit Durchfall oder Blähungen, füttere die Sorten zu verschiedenen Zeiten.